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12. August 2025

Strom am Limit: Wenn Netzkapazität fehlt

Immer mehr Strom wird erzeugt, gehandelt und nachgefragt insbesondere aus erneuerbaren Quellen. Doch immer häufiger zeigt sich: Nicht der Mangel an Energie ist das Problem, sondern die Fähigkeit, sie zuverlässig dorthin zu bringen, wo sie gebraucht wird.

Strommarkt und Stromnetz: Zwei Systeme, ein wachsendes Spannungsfeld

Der Strommarkt funktioniert digital, international, kurzfristig und flexibel. Hier wird Strom beschafft, gehandelt, geliefert. Verträge entstehen oft Tage oder Monate im Voraus. Der Markt basiert auf dem Prinzip, dass Strom überall verfügbar ist, solange jemand bereit ist, dafür zu zahlen.

Das Stromnetz dagegen funktioniert analog, lokal, physikalisch. Es besteht aus Leitungen, Umspannwerken und Knotenpunkten, deren Belastbarkeit begrenzt ist. Der Strom kann nicht einfach „fliessen“, weil jemand ihn gekauft hat. Er muss durch physische Infrastruktur transportiert werden, und genau diese ist oft überlastet.

Während also auf dem Markt theoretisch genug Strom vorhanden ist, sehen sich die Übertragungsnetzbetreiber (ÜNBs) mit einer anderen Realität konfrontiert: Netzengpässe entstehen, weil zu viel Last zu schnell auf einzelne Netzabschnitte trifft, besonders zu Spitzenzeiten.

Die Unsichtbare Grenze

Netzbetreiber sind verpflichtet, die Stabilität des Netzes zu sichern, unabhängig davon, wie viel Strom am Markt gehandelt oder lokal erzeugt wird. Das bedeutet: Wenn eine Leitung, ein Umspannwerk oder ein Netzbereich voll ausgelastet ist, kann keine zusätzliche Energie mehr aufgenommen oder weitergeleitet werden. Das ist keine wirtschaftliche, sondern eine physikalische Grenze.

Diese sogenannten Kapazitätsengpässe (Congestion Management) treten in verschiedenen Formen auf:

  • Engpässe im überregionalen Hochspannungsnetz: wenn z.B grosse Strommengen aus dem Norden in den Süden Europas transportiert werden sollen, aber die Leitungen überlastet sind.
  • Überlastung im lokalen Verteilnetz: z. B. in städtischen Gebieten, wo gleichzeitig viele Haushalte, Betriebe und neue Verbraucher wie E-Ladesäulen auf dasselbe Netz zugreifen.
  • Integration erneuerbaren Energien: Schwankende Einspeisung aus Photovoltaik und Wind kann zeitweise die Netzgrenzen überschreiten. Dann wird Strom abgeregelt, obwohl er günstig und sauber wäre.

Ein Beispiel dafür ist der typische Tagesverlauf. Morgens steigt der Strombedarf rasch an, Heizungen, Produktionsanlagen, Bürogeräte starten gleichzeitig. Mittags sorgt die Sonne für Entlastung, insbesondere bei Gebäuden mit PV-Anlage. Doch abends wird es kritisch: Haushalte kommen zurück, Wärmepumpen laufen, Lichter gehen an und immer mehr Elektroautos werden zeitgleich an die Steckdose gehängt. Das alles geschieht in kurzer Zeit, oft auf engem Netzraum. Die Netzkapazität bleibt aber konstant, sie skaliert nicht automatisch mit dem Verbrauch. Abbildung_Netzauslastung_VGT.png

Was heisst das für Unternehmen?

Die Stromversorgung verändert sich und mit ihr die Anforderungen an Unternehmen. Wer heute neue Verbraucher oder Anlagen integrieren will, muss mehr beachten als nur Technik und Wirtschaftlichkeit. Netzengpässe sind zur realen Planungsgrenze geworden.

Für Unternehmen heisst das: Stromverbräuche, Eigenerzeugung und Lastverschiebung müssen vorausschauend geplant und auf das Netz abgestimmt werden. Das betrifft nicht nur strategische Investitionen, sondern auch den operativen Alltag: Fahrpläne, Lastgänge und Betriebszeiten. Diese müssen zunehmend netzverträglich gedacht und gesteuert werden.

Die Lösung liegt nicht allein im Netzausbau, sondern in der intelligenten Nutzung vorhandener Ressourcen. Wer seinen Stromverbrauch netzdienlich steuert, kann Engpässe vermeiden und mehr aus dem bestehenden Netzanschluss herausholen. Das bedeutet:

  • Verbrauchsflexibilität schaffen, z. B. durch zeitlich steuerbare Verbraucher oder Zwischenspeicherung
  • Lastspitzen vermeiden, indem Prozesse besser aufeinander abgestimmt werden
  • Eigene Erzeugung gezielt einsetzen, um Netzbezug in kritischen Phasen zu reduzieren
  • Anlagen verknüpfen, statt sie isoliert zu betrachten (z. B. PV, Speicher, Wärmepumpe und Ladepunkte als integriertes Gesamtsystem)

Unternehmen, die frühzeitig auf Koordination, Flexibilität und Sektorkopplung setzen, gewinnen an Unabhängigkeit. Sie nutzen bestehende Infrastruktur effizienter und reduzieren ihre Abhängigkeit von langwierigen Netzausbauprozessen.

Und genau hier entsteht Raum für echte Innovation: Wer seine Energieflüsse intelligent steuert, wird nicht nur resilienter, sondern aktiv Teil der Lösung für ein zunehmend belastetes Stromnetz.

Von vernetzten Assets zum intelligenten Ökosystem

VGT bietet ihren Kunden die technologische Grundlage, um Energieanlagen intelligent zu steuern. Die VGT Plattform ermöglicht es, jegliche Assets zu einem vernetzten Gesamtsystem zu verbinden.

Im Zentrum steht dabei das intelligente Energiemanagementsystem GENIA: Es analysiert Lastverläufe, Nutzerverhalten und Wetterdaten in Echtzeit, erkennt bevorstehende Netzbelastungen und entscheidet auf dieser Basis, wie die Anlagen über die Plattform optimal gesteuert werden. So wird der Energiefluss zwischen Erzeugung, Verbrauch und Speicherung automatisiert und laufend auf Netzkapazitäten abgestimmt.

Anstelle starrer Abläufe entsteht ein dynamisches System, das aktiv mit dem Netz denkt: flexibel, koordiniert und vorausschauend. Das sorgt für mehr Unabhängigkeit, höhere Energieeffizienz und macht Flexibilität zum strategischen Vorteil.

Fazit

Der Wandel in der Stromversorgung stellt Unternehmen vor neue Herausforderungen. Wer in diesem Umfeld weiterdenken will, muss Energieverbrauch, Erzeugung und Steuerung gemeinsam betrachten als System, nicht als Einzelprojekt.

Mit intelligenter Koordination, netzdienlichem Verhalten und verknüpften Assets können Unternehmen nicht nur bestehende Netzanschlüsse optimal nutzen, sondern auch ihre Energieflüsse aktiv steuern.

VGT unterstützt dich dabei.

Mit der Plattform und dem Energiemanagementsystem GENIA verbinden wir deine Energieanlagen zu einem smarten Gesamtsystem und schaffen die Grundlage für stabiles Wachstum trotz limitierter Netzkapazitäten.

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Quellen:

  1. https://www.swissgrid.ch/de/home/newsroom/blog/2025/wenn-das-stromnetz-unter-druck-geraet.html
  2. https://www.swissgrid.ch/de/home/operation/market/congestion-mgmt.html
  3. https://www.swissgrid.ch/de/home/operation/regulation/planning.html
  4. https://www.swissgrid.ch/de/home/operation/power-grid/swiss-power-grid.html
  5. https://www.swissgrid.ch/de/home/operation/grid-data/load.html
  6. https://wattstor.com/insight/grid-constraints/
  7. https://www.strom.ch/de/perspective/gegen-netzengpaesse-wie-flexibilitaet-gebaeuden-das-system-stabilisiert