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8. August 2025

PV4Balancing: Photovoltaik als Schlüssel zur Netzstabilisierung

Die Integration erneuerbarer Energien, insbesondere der Photovoltaik (PV), stellt das Schweizer Stromnetz vor neue Herausforderungen. Die aktuell installierte PV-Leistung beträgt rund 6 GW. Bis 2040 wird ein Ausbau auf bis zu 30 GW erwartet. Diese Entwicklung führt vermehrt zu Ungleichgewichten in der Schweizer Regelzone, insbesondere bei hoher PV-Produktion und gleichzeitig tiefem Verbrauch. In mehreren Fällen seit 2023 mussten über 1 GW Regelenergie aktiviert werden.

Um diesem Trend strukturell zu begegnen, hat Swissgrid das Pilotprojekt PV4Balancing initiiert. Ziel ist es, ein Systemdienstleistungsprodukt zu entwickeln, das die Besonderheiten von PV-Anlagen berücksichtigt und deren Potenzial zur Netzstabilisierung erschliesst.

Zielsetzung und Funktionsweise von PV4Balancing

PV4Balancing ist ein neues SDL-Pilotprodukt, das auf die Abregelung von PV-Anlagen als negative Tertiärregelleistung (TRL–) ausgerichtet ist. Im Unterschied zu herkömmlichen TRL-Produkten besteht hier keine Pflicht zur konstanten Vorhaltung einer fixen Leistung. Stattdessen werden Vorhaltegebote auf Basis der Nominalleistung abgegeben, wobei im Abruffall die tatsächliche PV-Produktion reduziert wird.

Die Daten zur aktuellen Produktion werden kontinuierlich an Swissgrid übermittelt, um die abrufbare Leistung in Echtzeit abschätzen zu können. Die Reduktion muss innerhalb von 12.5 Minuten nach Abruf erfolgen. Das Produkt wird im Rahmen eines einjährigen Pilots technisch und organisatorisch getestet. Der Testzeitraum läuft vom 1. Juni 2025 bis 1. Juni 2026.

Teilnehmer am Pilotprojekt erhalten eine fixe Vergütung von 3 Franken pro Megawattstunde installierter Leistung für jede Stunde der Teilnahme. Vergütet wird die Vorhaltung, unabhängig davon, ob ein Abruf stattfindet.

Beispielrechnung: Für eine PV-Anlage mit 1 MW installierter Leistung ergibt sich: 1 MW * 3 CHF/MWh * 8760 Stunden = CHF 26’280 pro Jahr für die reine Vorhaltung.

Im Abruffall erfolgt zusätzlich eine marktbasierte Vergütung nach dem Modell der Tertiärregelenergie. Die Vergütung basiert auf dem Pay-as-bid-Prinzip, wobei Gebote von bis zu CHF 15’000 pro Megawattstunde möglich sind. Auch bei PV4Balancing fallen bei einem Abruf die üblichen Ausgleichsenergiekosten an, analog zu bestehenden TRL-Produkten.

Rolle von VGT im Pilotprojekt

VGT ist aktiver Teilnehmer der Swissgrid-Arbeitsgruppe PV4Balancing und stellt die technische Integration sowie die Aggregation von steuerbaren PV-Anlagen bereit. Ziel ist es, auch kleinere dezentrale PV-Anlagen über standardisierte Schnittstellen und Poolingmechanismen in das neue SDL-Produkt einzubinden.

Die Anbindung erfolgt über die VGT Plattform, welche die Echtzeit-Datenübermittlung, Abruflogik und Bilanzgruppenabwicklung unterstützt. Kunden mit geeigneten PV-Anlagen können so am Pilotprojekt teilnehmen und neue Erlöspotenziale erschliessen, ohne ihre Eigenverbrauchsstrategie oder den Anlagenbetrieb wesentlich umstellen zu müssen.

Bedeutung für den SDL-Markt

PV4Balancing stellt einen strukturellen Fortschritt für die Integration dezentraler Erzeugung in den Regelenergiemarkt dar. Es berücksichtigt die volatilen Eigenschaften von PV-Anlagen und schafft einen definierten Prozess für deren netzdienliche Nutzung. Das Produkt soll nach erfolgreicher Pilotphase ab 2027 in den regulären SDL-Markt überführt werden.

Die Erfahrungen aus dem Pilotprojekt dienen dazu, Prozesse, Vergütungsmodelle und technische Anforderungen praxistauglich zu gestalten. Bereits heute zeigt sich, dass eine netzdienliche Abregelung von PV-Anlagen als Regelleistung in anderen europäischen Ländern erfolgreich praktiziert wird. Swissgrid verfolgt mit PV4Balancing einen vergleichbaren, aber auf die dezentrale Struktur in der Schweiz zugeschnittenen Ansatz.

Mit PV4Balancing geht Swissgrid einen innovativen Schritt zur systematischen Einbindung von Photovoltaikanlagen in den Regelenergiemarkt. Das Projekt verbindet Netzstabilität mit wirtschaftlichem Mehrwert für Betreiber und Dienstleister. VGT trägt als technischer Umsetzungspartner zur erfolgreichen Pilotierung bei und eröffnet seinen Kunden einen Zugang zu einem neuen Marktsegment innerhalb der Systemdienstleistungen.

Quellen

  1. Swissgrid (2024): Produktsheet PV4Balancing – Abregelung von PV-Anlagen als neue Systemdienstleistung, interne Unterlage
  2. Swissgrid (23.09.2024): Kick-off Arbeitsgruppe PV4Balancing, Präsentation
  3. Swissgrid (2024): Rahmenvertrag zur Teilnahme am Pilotprojekt PV4Balancing, Vertragsunterlage
  4. Swissgrid (2025): Blogbeitrag: Die Sonne als Ressource für einen stabilen Netzbetrieb, https://www.swissgrid.ch/de/home/newsroom/blog/2025/die-sonne-als-ressource-fuer-einen-stabilen-netzbetrieb.html